Das URIDU Dreistufen-Modell für Empowerment

Landfrauen in Entwicklungsländern sind ohne Zweifel der wichtigste Schlüssel zu einer besseren Zukunft. Sie erziehen die nächste Generation, in deren Händen die Gestaltung der Welt liegt. Diese Frauen investieren ihre Ressourcen ganz in die Gesundheit, Ernährung und Erziehung ihrer Kinder. Und sie verdienen unsere Unterstützung dabei, diese in einem stabilen und gesunden Umfeld großzuziehen. 

Doch gerade diese Frauen kämpfen auch mit widrigsten Umständen. Jeden Tag werden Tausende von ihnen zu Opfern von Gewalt, sexuellem Missbrauch, Frauenhandel, Kinder- oder Zwangsehe. Mangel- und Fehlernährung sowie gynäkologische Probleme führen oft zu schweren Erkrankungen. 2015 starben allein 303.000 Frauen auf der Welt an Komplikationen während Schwangerschaft oder Geburt. Auf jeden dieser Todesfälle kamen noch Dutzende weiterer Frauen, die infolge von Schwangerschaft oder Geburt Verletzungen, Infektionen oder bleibende Schäden davon trugen. In den meisten Entwicklungsländern findet man außerdem weit weniger Mädchen als Jungen in weiterführenden Schulen, wodurch Mädchen es später schwerer haben, gute Jobs zu finden. Geldprobleme, übermäßige Arbeitsbelastung, Verschuldung und ständige Sorge um ihre Familie sind die fast unvermeidbaren Folgen hiervon.

Kein Wunder, dass Depressionen speziell unter Frauen in Entwicklungsländern sehr häufig vorkommen - in manchen Regionen überschreitet die Rate die 50 %-Marke. Fehlende Zukunftsperspektiven, schlechte gesundheitliche Versorgung, Dauerstress, ein niedriges Selbstwertgefühl und mangelndes Selbstvertrauen summieren sich zu einem fatalen Cocktail, der sich lähmend auf die Psyche der Frauen auswirkt.

URIDU macht diese Frauen stark! Wir stellen ihnen wichtige Informationen kostenfrei zur Verfügung und helfen ihnen dabei, ihre Lebensumstände zu verbessern. Dafür haben wir das URIDU Dreistufen-Modell für Empowerment entwickelt. 

Schritt 1: Gesundheitserziehung und Prävention

Der erste Schritt besteht darin, eine Frau bei der Verbesserung ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit zu unterstützen. Deshalb erklären wir ihr, wie sie häufige Gesundheitsprobleme mit Hilfe von einfachen Hygienemaßnahmen oder Änderungen in ihrer Ernährung vermeidet. Oder wie sie sich besser vor Infektionen schützt. Oder wie sie in Phasen besonderer Anfälligkeit (z. B. während ihrer Menstruation, während Schwangerschaft oder Menopause) gut für sich selbst sorgen kann. Gesundheit ist die Grundvoraussetzung für jeden weiteren Schritt in mehr Selbstbestimmtheit und Unabhängigkeit. Nur eine Frau, die sich gesund und kräftig fühlt, kann sich auch anderen Herausforderungen erfolgreich stellen. 

Schritt 2: Lebenskompetenz und Resilienz

In einem zweiten Schritt helfen wir einer Frau, ihre familiären Situation zu verbessern. In vielen Entwicklungsländern haben Frauen kein oder nur wenig Mitspracherecht bei wichtigen Haushaltsentscheidungen (wie z. B. Familienplanung, Gesundheitsfürsorge, Haushaltsausgaben usw.). Untersuchungen zeigen, dass das sowohl für ihre eigene Gesundheit wie auch für die Gesundheit ihrer Kinder problematisch sein kann. Empowerment durch Wissen ist zentral im Kampf gegen Praktiken und Traditionen, die Frauen keine Entscheidungsbefugnis in familiären Angelegenheiten einräumen wollen. Jede Frau sollte beispielsweise selbst entscheiden können, wann oder wie oft sie schwanger wird. Da zuverlässige Verhütungsmittel diesen Frauen aber nur selten zur Verfügung stehen, sind ungewollte Schwangerschaften für Millionen von Frauen in Entwicklungsländern ein großes Problem. Deshalb versorgen wir sie mit hilfreichen Informationen zum Thema Familienplanung ebenso wie mit Informationen zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen (natürlich nur, soweit diese im jeweiligen Land legal sind). Wir geben ihnen auch Tipps dazu, wie sie mit familiären Konflikten besser umgehen und ihre Interessen erfolgreicher vertreten können (z. B. gegenüber ihrem Ehemann oder ihren Schwiegereltern), oder wie sie sich im Falle häuslicher Gewalt selbst schützen können.  

Schritt 3: Selbstwertgefühl und finanzielle Unabhängigkeit

Der letzte Schritt zum Empowerment einer Frau besteht darin, sie bei der Erlangung finanzieller Unabhängigkeit zu unterstützen. Da die meisten Gesellschaftsordnungen in Entwicklungsländern auf einem strikt patriarchalen System basieren, sind Frauen traditionell auch in wirtschaftlicher Hinsicht stark benachteiligt. Sie verdienen weniger als Männer und verfügen über weniger Vermögen; oft dürfen sie von Gesetzes wegen sogar gar kein Eigentum besitzen. Der Schlüssel zur Veränderung liegt hier in der Bildung. Deshalb beschäftigen sich viele der von uns verbreiteten Inhalte mit der Gleichheit von Mann und Frau und unterstreichen die Wichtigkeit einer Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen in Sachen Ausbildung, Erziehung und Berufstätigkeit.