Wir bringen URIDU nach Tansania!

Vom 3. - 9. September 2016 waren wir in Dar es Salaam, um dort unser URIDU Pilotprojekt in Tansania zu starten. Unsere Partnerorganisation New Dawn Development - unter der Leitung von Ms. Jackline Mashauri - hatte eine Eröffnungsveranstaltung für den 4. September organisiert, in deren Rahmen das Projekt den Beteiligten vor Ort vorgestellt wurde.

Sie hatte sogar extra traditionelle afrikanische Kleidung in den Farben der Organisation für uns besorgt, damit wir für den Anlass auch passend gekleidet waren! Dank Ms. Mashauri’s Engagement hatte das tansanische Ministerium für Gesundheit und Soziales unser Pilotprojekt genehmigt und uns einen Zeitrahmen von September bis Dezember 2016 vorgegeben, um es umzusetzen. Wir sind daher alle hoch motiviert und entschlossen, diese Aufgabe erfolgreich zu bewältigen!

Der Plan ist, unsere MP3forLife Player in den kommenden Monaten in vier ausgewählten Bezirken an der Küste Tansanias zu verteilen. Derzeit sind 16 Dörfer für die aktive Teilnahme an der Pilotstudie vorgesehen. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Akzeptanz der MP3forLife Player in der tansanischen Gemeinde zu testen und gleichzeitig Feedback zu sammeln, und zwar sowohl von den Mitarbeitern unserer Partnerorganisation, als auch von den Frauen, die die Player nutzen. Basierend auf den Ergebnissen der Pilotstudie wollen wir das URIDU-Projekt dann künftig auf möglichst viele tansanische Gemeinden ausweiten. Uns liegen bereits Anfragen von mehreren Hilfsorganisationen in Tansania vor, die alle ebenfalls gerne URIDU-Partner werden möchten. Aus diesem Grund haben wir uns auch entschlossen, uns in den nächsten 12 - 18 Monaten besonders auf Tansania zu konzentrieren. Wir werden sehen, was wir in diesem Land alles bewegen können!

Trotz eines beeindruckenden Wachstums seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) in den vergangenen zwei Jahrzehnten bleibt Tansania in Bezug auf sein durchschnittliches Pro-Kopf-Einkommen immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Im Human Development Report 2015 der Vereinten Nationen findet sich Tansania auf Platz 151 von 188 aufgelisteten Ländern und Nationen (untere Kategorie).

21,5 % der Bevölkerung lebt nahe der Armutsgrenze, 32,1 % in großer Armut, 43,5 % leben unterhalb des Existenzminimums. Wie in allen anderen Entwicklungsländern ist auch hier die Kindersterblichkeit sehr hoch, ebenso wie die Zahl von Teenagerschwangerschaften und die Müttersterblichkeit.

Die Situation der Frauen ist im Vergleich zu der von Männern noch problematischer. Ein Hauptgrund dafür sind die traditionell patriarchalen Gesellschaftsstrukturen, die dazu führen, dass ein Großteil der jungen tansanischen Frauen keine angemessene Bildung erhält. Die meisten Tansanier sind der Meinung, Schulbildung sei für Jungen wichtiger als für Mädchen. Weniger als 25 % der tansanischen Mädchen besuchen daher weiterführende Schulen, obwohl die tansanische Regierung kürzlich die Schulgebühren komplett abgeschafft hat, in der Hoffnung, dass dann mehr Kinder eine bessere Ausbildung erhalten. Familien müssen nun für 11 Jahre Schulbildung keinerlei Gebühren mehr zahlen.

Während unserer Exkursionen in die Bezirke von Kisarawe und Bagamoyo verstanden wir allerdings schnell, dass Armut nicht der einzige Grund für Eltern ist, ihre Töchter lieber nicht zur Schule zu schicken. Anders als in vielen anderen Ländern leben die Menschen in Tansania auf dem Land oft weit verstreut. Die zu bewältigenden Distanzen sind lang, Straßen gibt es entweder gar nicht oder sie sind in sehr schlechtem Zustand. Praktisch alle Schüler müssen in Tansania zwischen drei und fünf Kilometer bis zur nächsten Schule laufen. Für Mädchen und junge Frauen ist diese lange Strecke noch deutlich gefährlicher als für Jungs: Sie werden dort häufig Opfer von sexueller Gewalt. Außerdem bieten in vielen Regionen junge Männer mit Moped oder Auto Mädchen auf dem Schulweg an, sie im Tausch gegen Sex mitfahren zu lassen. Natürlich steigt mit der erhöhten Gefahr sexuellen Missbrauchs für die Mädchen auch gleichzeitig das Risiko einer ungewollten Schwangerschaft und einer HIV/AIDS-Infektion. Kein Wunder, dass viele Mütter es vorziehen, ihre Töchter angesichts dieser Umstände lieber daheim zu behalten …

Ein paar Eindrücke von unseren Exkursionen in die Bezirke von Kisarawe und Bagamoyo in Tansania. Dort stellten wir mit unseren Partnern von New Dawn Development unsere MP3forLife Player den dort lebenden Landfrauen vor. Wir freuen uns schon darauf, die Player im Rahmen unseres Pilotprojekts in der Küstenregion Tansanias zu verteilen. Asante sana!

Während unserer Exkursionen konnten wir die MP3forLife Player in zwei Dörfern dort präsentieren und die Ziele des Projekts den betroffenen Frauen selbst erklären. In beiden Fällen wurden wir sehr freundlich empfangen und stießen auf großes Interesse. Die Frauen verstanden das Projekt und den Nutzen der MP3forLife Player für sie sehr schnell und freuen sich schon darauf, an der Pilotphase teilnehmen zu dürfen. Während einer der Zusammenkünfte verlieh eine der anwesenden Landfrauen sogar ganz nebenbei unserem MP3forLife Player einen neuen Namen. Während sie sich den Player anschaute und anhörte, bezeichnete sie ihn begeistert als ein „VIUTANDAWAZI“. Das ist ein Swahili-Wort, das wörtlich übersetzt „global“ bedeutet und das sie in diesem Kontext benutzte, um „ein kleines Gerät mit einer Menge Informationen“ zu beschreiben. Wir selbst hätten uns keinen besseren Namen dafür ausdenken können! Hoffen wir also, dass unser URIDU VIUTANDAWAZI zukünftig Millionen Leben in Tansania zum Besseren verändert!