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Ambulante Unterstützung für psychisch Kranke im ländlichen Ruanda

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Wie in vielen anderen Entwicklungsländern gibt es auch in Ruanda kaum ausgebildete Fachkräfte für die psychische Gesundheitsversorgung. Vor allem für Menschen, die in Armut oder weit entfernt von städtischen Zentren leben, existieren daher oft keine oder kaum geeignete Hilfen. Psychisch kranke Menschen erhalten daher leider nur allzu oft keine adäquate Behandlung.

In unserem Projekt wollten wir daher prüfen, ob eine technologiebasierte, niedrigschwellige psychologische Intervention die psychische Gesundheit von TeilnehmerInnen an Selbsthilfegruppen verbessern kann. Die Skalierbarkeit und die Kosteneffizienz des Gesamtkonzepts waren uns dabei besonders wichtig - schließlich geht es uns immer darum, möglichst vielen Menschen möglichst gut zu helfen. Außerdem wäre der Ansatz auch leicht auf andere ländliche Regionen Ruandas übertragbar. Hauptziel des Projekts war die Stärkung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und psychosozialen Problemen. Unsere starken Projektpartner hierbei: das Pfalzklinikum Klingenmünster, das Ndera Neuro-Psychiatric-Hospital in Kigali, der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz/Ruanda e. V. und die Selbsthilfeorganisation OPROMAMER.

Insgesamt 103 ehemalige PatientInnen des Neuropsychiatrischen Hospitals Ndera nahmen an diesem Projekt teil. Das ihnen angebotene Programm umfasste Gruppenaktivitäten wie Gartenarbeit, immer gefolgt von Informationsvermittlung zu verschiedenen psychosozialen Themen.

Jeweils 12 TeilnehmerInnen bildeten eine Selbsthilfegruppe, die dann gemeinsam - unter fachkundiger Anleitung - einen eigenen Gemüsegarten anlegte. Jeder der Gruppen wurde außerdem einer unserer MP3-Audioplayer mit ausgewählten Gesundheitsinhalten in der Landessprache (Kinyarwanda) zur Verfügung gestellt. Im Rahmen regelmäßiger wöchentlicher Treffen über einen Zeitraum von sechs Monaten arbeiteten die Gruppen immer zunächst gemeinsam an ihrem Gemüsegarten und hörten sich anschließend unterschiedliche Themen auf dem MP3-Audioplayer an (z. B. Informationen über Epilepsie und ihre Behandlung, Depression, Frauenhygiene, Medikamenteneinnahme usw.).

Am Ende des Projektzeitraums war die Rückfallquote bei den psychisch kranken Mitgliedern der Interventionsgruppen um durchschnittlich 95 % gesunken. Die Ursache hierfür sehen die Forscher, die das Projekt evaluierten, vor allem darin, dass bei den PatientInnen und ihren Familienangehörigen ein größeres Bewusstsein und Verständnis für psychische Erkrankungen geschaffen worden war. In einer qualitativen Analyse berichteten die TeilnehmerInnen außerdem über zahlreiche positive Effekte, die das Projekt für sie erzielte. Die Forscher unterteilten diese in sieben Themenbereiche: (1) emotionale Unterstützung bei der Bewältigung der Belastungen, die das Leben mit einer psychischen Erkrankung mit sich bringt; (2) stärkere soziale Integration durch Vernetzung und Kontakte; (3) Reduktion von Stigmatisierung; (4) stabileres soziales Netz und Quelle der Hoffnung auf Genesung; (5) höhere Selbstakzeptanz und höheres Selbstwertgefühl; (6) verstärktes Engagement für die eigene wirtschaftliche Situation; und (7) bessere Kenntnisse über und Umgang mit psychischen Erkrankungen.

Erfreuliches Zusatzergebnis des Projekts: auch der Ernährungszustand der PatientInnen verbesserte sich. Die Anlage der Gemüsegärten wurde in der Region mit großem Interesse verfolgt und die ProjektteilnehmerInnen wurden dabei zu Vorbildern für die gesamte Gemeinde. Das führte zu einem spürbaren Abbau von Stigmatisierung und Diskriminierung der psychisch kranken TeilnehmerInnen in ihrem sozialen Umfeld.

Weitere Berichte über das Projekt finden Sie auch hier.