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Audiopedia kämpft für Geschlechtergleichheit in Nigeria

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Dass wir in Nigeria aktiv sind, wissen Sie natürlich längst. Wir arbeiten dort - neben der DAHW (der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V.) - auch mit der University of Nigeria im Rahmen eines Projektes in Ngenevu zusammen. Einer der Projektleiter, Professor Chris Prince Udochukwu Njọkụ, berichtet Ihnen heute hier einmal selbst etwas ausführlicher über dieses Projekt:

"Die meisten Frauen und Mädchen in der Gemeinde Ngenevu haben aufgrund schlechter Lese- und Schreibfähigkeit einerseits und großer Armut andererseits nur einen schlechten oder gar keinen Zugang zu Informationen über Gesundheit, wirtschaftliche Möglichkeiten, soziale Rechte, Menschenrechte und viele andere Themen. Dies stellt für sie ein enormes Problem dar. Unser Projekt soll diese Wissenslücken der Frauen nun schließen, indem ihnen der Zugang zu wichtigen Informationen im Audioformat ermöglicht wird.

Unsere Vorab-Erhebung ergab, dass etwa 80 % der Frauen in der Gemeinde Ngenevu zwar ein Handy besitzen, sich aber mit der Nutzung von Internet und Smartphones nicht auskennen. Aufgrund ihres niedrigen Bildungsniveaus und ihrer Armut glaubten die meisten der Befragten, dass Internetnutzung nur etwas für Stadtbewohner und Reiche sei.

Des weiteren stellten wir fest, dass geschlechtsspezifische Gewalt in der Gemeinde weit verbreitet ist. Die dortigen Frauen haben jedoch große Angst, über derartige Probleme zu sprechen. Sie wissen nicht, wo sie im Bedarfsfall Hilfe suchen können. Auch haben sie kaum Zugang zu Wissen über Umweltschutz und angemessene sanitäre Praktiken. Sie können sich nirgendwo über sinnvolle Hygienemaßnahmen informieren und besitzen keine guten sanitären Einrichtungen. So verrichten die meisten Familien ihre Notdurft zum Beispiel einfach im Freien, was zu Krankheitsausbrüchen und einem allgemein schlechten Gesundheitszustand innerhalb der Gemeinde führt. Aufgrund ihrer Armut und fehlendem Wissen greifen die Frauen zur Behandlung der Krankheiten dann zunächst auf Selbstmedikation, traditionelle Heiler und religiöse Praktiken zurück. Erst spät und als letztes Mittel suchen sie in Krankenhäusern medizinische Versorgung. Die Folge sind eine hohe Sterblichkeitsrate, Behinderungen und manchmal auch Todesfälle.

Effiziente Gesundheitsfürsorge für Mütter steht vor Ort ebenfalls nicht zur Verfügung. Aufgrund der hohen Kosten für Ärzte und Medikamente wenden sich die Frauen eher an lokale Geburtshelferinnen. Diese sind aber in der Regel nicht in der Lage, eventuelle Komplikationen zu behandeln. Das hat eine hohe Mütter- und Kindersterblichkeit während Schwangerschaft und Geburt zur Folge. Der Gemeinde fehlt ein soziales Unterstützungssystem; Gesundheitsdienste sind nicht vorhanden. Das einzige Gesundheitszentrum in der Gemeinde ist baufällig.

Die Situationsanalyse zeigte also zusammenfassend, dass Frauen und Mädchen in der Gemeinde Ngenevu kaum lesen und schreiben können und arm sind, was ihren Zugang zu relevanten Informationen stark einschränkt. Das Audiopedia-Projekt will diese Lücke schließen. Die geringe Lese- und Schreibfähigkeit der Frauen und Mädchen wird dabei berücksichtigt, indem das Wissen im Audioformat bereitgestellt wird. Hierfür wird die Audiopedia Web App genutzt. Jeden Monat erhalten die Frauen über sie aktuelle Audio-Informationen zu Themenbereichen wie Gesundheit, Recht und Selbstbestimmung. Zusätzlich werden diese auch von speziell geschulten Freiwilligen, den so genannten Community Volunteers (CVs), jedes Mal heruntergeladen und auf SD-Karten gespeichert. Diese werden dann an die Teilnehmerinnen ausgehändigt, so dass sie sie in ihren MP3-Player, ihr Smartphone oder beides einlegen und die Informationen jederzeit noch einmal anhören können.

Die Inhalte von Audiopedia wurden für dieses Projekt unter meiner Leitung von Studenten der University of Nigeria in die lokale Sprache Igbo übersetzt und aufgenommen. Die Studenten passten auch die Audiopedia-Web-App an die lokalen Gegebenheiten an, so dass sie anschließend von den Mitarbeitern der DAHW (Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e. V.) für die Gemeindearbeit optimal genutzt werden konnte."