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Audiopedia rettet Mädchenleben in Asien

Hennahand

Wussten Sie, dass (laut UN-Berichten) in Indien jedes Jahr etwa 750.000 Mädchen gezielt abgetrieben werden? Chinas Zahl an geschlechtsselektiven Abtreibungen ist etwas geringer, liegt aber trotzdem bei etwa 600.000 jährlich. Indien und China sind jedoch nur zwei von vielen Ländern, in denen diese Praxis - obwohl gesetzlich verboten - immer noch sehr verbreitet ist. Insbesondere in asiatischen Ländern bevorzugen Eltern Jungen gegenüber Mädchen, da diese für die Familie als wertvolle finanzielle Ressource, Mädchen dagegen als nutzlos betrachtet werden.

Die gezielte Tötung von Mädchen nennt man auch geschlechtsselektive Abtreibung oder Kindsmord (Fetizid). In ihr zeigt sich die dunkle Seite des modernen medizinischen Fortschritts: pränatale Ultraschalltests werden nur zur Geschlechtsbestimmung missbraucht, um zu entscheiden, ob ein Fötus ausgetragen wird oder nicht. Basierend auf der weit verbreiteten Überzeugung, dass Mädchen nur eine Belastung für ihre Familien und die Gesellschaft darstellen, setzen viele Familien schwangere Frauen sehr unter Druck, einen weiblichen Fötus abzutreiben.

Doch selbst wenn ein kleines Mädchen versehentlich zur Welt kommt, läuft es immer noch Gefahr, von seiner Familie getötet zu werden - sei es nun aktiv oder passiv: Einem Mädchen widmen Familien meist systematisch weniger Aufmerksamkeit und Pflege als einem Jungen. Es bekommt zum Beispiel minderwertiges Essen, und wenn es krank ist, zögern die Eltern sehr viel länger damit, medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Überlebt das Mädchen trotz dieser schlechten Versorgung, töten nicht wenige Eltern ihre Töchter noch im Baby- oder Kleinkindalter auch aktiv, indem sie sie vergiften, erwürgen oder lebendig begraben.

Die Folge dieser weit verbreiteten Praxis: In vielen asiatischen Ländern gibt es deutlich weniger Mädchen und Frauen als dies unter natürlichen Bedingungen der Fall wäre. In einigen Bundesstaaten Indiens hat dieses weibliche Defizit bereits dazu geführt, dass dort 20 % mehr Männer als Frauen leben. Schätzungen zufolge fehlen der indischen Gesellschaft bereits heute rund 40 Millionen Mädchen und Frauen.

Die Gründe für diese Grausamkeit - auf Englisch oft "daughter elimination" ("Tochtereliminierung“) genannt - sind:

Finanzielle Überlegungen:

Allgemein herrscht die Überzeugung, dass die Kosten für die Erziehung einer Tochter sich für ihre Familie niemals auszahlen. Männer sind später die Hauptverdiener. Jede Investition in ein männliches Kind lohnt sich also und wird der Familie später eine Rendite bringen. Für Mädchen dagegen trifft das nicht zu, da sie später traditionell nur als Hausfrauen tätig und mit unbezahlter Familienarbeit beschäftigt sein werden. Nur die wenigsten werden mit einem Job außer Haus Geld verdienen und zum Familieneinkommen beitragen.

Obwohl in den meisten Ländern gesetzlich verboten, verlangt die Tradition es in vielen asiatischen Gesellschaften außerdem immer noch, dass die Eltern der Braut der Familie des Bräutigams bei der Hochzeit eine Mitgift zahlen. Dabei handelt es sich oft um riesige Geldbeträge und wertvolle Güter. Für arme Familien oder Familien mit mehreren Töchtern kann dies eine große finanzielle Belastung darstellen, die unbedingt vermieden werden muss.

Altersvorsorge:

Ein Sohn kümmert sich im Alter um seine Eltern und ist für diese daher gleichbedeutend mit einer gesicherten Rente. Eine Tochter hingegen wird irgendwann heiraten - und danach in den meisten Kulturen ausziehen, um mit ihrem Ehemann im Haus ihrer Schwiegereltern zu leben. Niemand erwartet von verheirateten Frauen, dass sie ihre Eltern wirtschaftlich unterstützen. Die Familie ihres Ehemannes wird es also sein, die irgendwann von all dem profitiert, was die Herkunftsfamilie der Frau in diese investiert hat (sei es nun Essen, Bildung, Gesundheitsfürsorge usw.). Ihre eigenen Eltern dagegen haben langfristig nichts davon. Ein indisches Sprichwort besagt daher auch: „Wer eine Tochter groß zieht, der bewässert den Garten seines Nachbarn.“

Religion:

In einigen Religionen / Kulturen (z. B. im Hinduismus) spielt ein Sohn in vielen Ritualen eine zentrale Rolle. Beispielsweise darf nur er nach deren Tod die letzten Riten für seine Eltern durchführen und ihnen auf diese Weise eine sichere Ankunft im Himmel garantieren. Einer Tochter ist dies nicht gestattet.

Status:

In den meisten asiatischen Gesellschaften gelten Frauen als den Männern unterlegen. Es wird daher von ihnen erwartet, diesen gehorsam zu Diensten zu sein. In solchen Gesellschaften senkt die Geburt eines kleinen Mädchens den Status einer Familie, während die Geburt eines kleinen Jungen ihn erhöht.

Um den weltweiten geschlechtsspezifischen Kindsmord zu stoppen, müssen sich zunächst die grundlegenden Überzeugungen der Eltern ändern: Sie müssen Jungen und Mädchen als gleichwertig anerkennen und gleich behandeln. Die Stärkung von Frauen ist dabei das effektivste Instrument zur Rettung der Mädchen. Denn nur eine gebildete Frau, die eine fundierte Entscheidung treffen und diese in ihrer Familie auch durchsetzen kann, hat eine Chance, ihr kleines Mädchen zu beschützen - während der Schwangerschaft ebenso wie danach. Die Welt braucht starke Frauen, die in der Lage sind, ihren Stimmen in Familie und Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Und die bereit sind, für ihre Töchter zu kämpfen.

Deshalb enthält unsere Audiopedia Informationen zu diesem Thema - und vielen anderen wichtigen Themen - und bringt sie zu allen Frauen weltweit, egal, wo sie leben, und ob sie lesen können oder nicht. URIDU möchte die Frauen dabei unterstützen, ihre kleinen Mädchen zu retten.

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